Projekte

 

Vorstellung des Buches „In der osijeker  inneren Stadt“, Rektorat der Universität  J.J.Strossmayer  am 9. Mai  2017 um  11Uhr

 In der Aula des osijeker  Rektorates wurde am 9. Mai  2017 das Buch  “In der osijeker inneren Stadt” der Autorin  Prof. Dr. sc. Helena Sablić Tomić vorgestellt.  Das Buch wurde, neben der Autorin, von dem Rezensenten  Prof. Dr. sc. Damir Matanović  und dem Buchredakteur, dem  Akademiker  Andrija Mutnjaković, vorgestellt.  An dem musikalischen und schauspielerischen Teil des Programmes nahmen die Studenten der osijeker Kunstakademie sowie der Singchor der Deutschen Gemeinschaft  „Alte Kameraden“ teil.

Die Autorin  Helena Sablić Tomić selbst sagt über dieses zweisprachige Buch folgendes: “Ich schrieb über die bedeutende neun Räume  mit denen die innere Stadt in einer Zeitspanne pulsierte und zwar sind das die spezifische Aussicht, die Bewohner, das Schulwesen, die Plätze, die Straßen und Häuser, deren genaue Beschreibungen, sowie auch die Namen der Menschen, die in diesen Häusern lebten , das Theater, das Druckereiwesen und der Rhytmus der privaten Zeit seiner Bewohner”.

Die Deutsche Gemeinschaft nahm an diesem großen Projekt als einer der Mitverleger teil.

fotos: https://www.flickr.com/photos/137033858@N05/albums/72157680510519594

 


Vorstellung des Romanes  “Doba mjedi/Zeit des Messing” von Slobodan Šnajder, Buchladen NOVA, am 12. Februar 2016 :

In Veranstaltung der Deutschen Gemeinschaft-Landsmannschaft der Donauschwaben in  Osijek wurde im  Klub des Buchladens  Nova in Osijek der zweite Roman von Slobodan Šnajder  “Doba mjedi/Zeit des Messing” vorgestellt. Bei der Promotion sprachen außer der Geschäftsleiterin der Deutschen Gemeinschaft-Landsmannschaft der Donauschwaben  Osijek Renata Trishler noch  Saša Drinić, Jaroslav Pecnik, Davor Špišić sowie der Autor  Slobodan Šnajder. Die Texte wurden von der osijeker Schauspielerin Anita Schmidt vorgelesen.

Dieser kroatische Dramatiker veröffentlichte seinen zweiten Roman genau nach zehn Jahren Schreibens und es geht um einen Liebes-Kriegsroman  der, enthüllt der Autor,  kein glückliches Ende hat. Die Hauptpersonen sind Georg und Vera, die Einzelschicksale  sind bis zur Vetreibung der  “ethnischen Deutschen“ im Jahr 1945 aus Schlesien, der Sudeten und Jugoslawien verflochten. Der zentrale Teil des Romanes findet in Polen, auf dem schrecklichsten Schauplatz des Zweiten Weltkrieges, statt und berührt auch den Zerfall des ehemaligen Staates der Südslawen.

In einer einstündigen lebhaften Diskusion, der sich auch zahlreiche Besucher anschlossen, wurden verschiedene Themen aufgegriffen, besonders der Leidensweg der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Publikum waren Teilnehmer dieser Ereignisse, deren Nachfahren aber auch zahlreiche Menschen, die sich für literarische Werke interessieren, deren Zentralthema die Vertreibung der Volksdeutschen aus Slawonien und Kroatiens ist. 

 


DER AUSSTELLUNG “SARVAŠ-GRADAC-GESCHICHTE EINES FUNDORTES”, AM 26.02.2015. ,

MUZEJ SLAVONIJE

Robert Rudolf Schmidt (1882 – 1950) gehört  zu den sehr bedeutenden Archäologen der Vorkriegszeit. Seine  Professionalität  bestätigte er bei den Ausgrabungen an der Burg von Vučedol 1938 (als die bekannte Taube von Vučedol gefunden wurde, Verm. der Autorin).

Die Monographie  “Die Burg Vučedol”  ist die erste Veröffentlichung, welche diese archäologische Funde wissenschaftlich bearbeitet, sie wurden dadurch den wissenschaftlichen Kreisen auch außerhalb Kroatien zugäglich.

Im Gegensatz zu den Ausgrabungen bei Vučedol brachte ihn die Erforschung von  Sarvaš und die Arbeitsmethoden in einen vollkommen anderen Kontext. Schimdt nahm an der Enteignung des ausgegrabenen Stoffes teil und verstieß so gegen das Gesetz und die Fachethik!

Das ist ein Abschnitt aus dem Katalogtext der Ausstellung  “Sarvaš – Gradac – Povijest jednog lokaliteta/Sarvaš-Gradac- Geschichte eines Fundortes”  eröffnet im Gebäude der Haupwache des Museumes von Slawonien. Es geht um eine gemeinsame Ausstellung des Museumes von Slawonien Osijek (Dragana Rajković) und des Archäologischen Museumes aus Zagreb  (Jacqueline Balen),  zweier Instutionen, die  1948 den archäologischen Stoff, den Schmidt in den Kriegsjahren 1942 und 1943 in Sarvaš ausgrub, unter sich aufteilten. Zum ersten Male wurde ein Großteil des Fundes in solchem Ausmaße der Öffentlichkeit vorgestellt.

Erst 1946 wurde der Fundort an einer Stelle vorgestellt und danach sah in die Öffentlichkeit  nicht mehr, bis heute. Es geht um einen ausnehmend  wichtigen Fundort, der Kopf an Kopf mit Fundorten wie Vučedol steht. Das ist ein mehrschichtiger Fundort, der seit der Jungsteinzeit (Neolithikum) bis zum Mittelalter angesiedelt wurde. So eine Kontinuität haben wenige Fundorte in diesem Raum – betont eine der Autorinnen, Jacqueline Balen, Leiterin des  AMZ. Es wurde nicht nur der archäologische sondern auch der Archivstoff ausgestellt (Privatfotos, Bücher, Möbelstücke aus dem Haus in Osijek u. ä.) – die Geschichte der Entdeckung selbst aber auch des Archäologen Schmidt.

Die Geschichte ist nicht vollkommen, weil ein Teil der Felddokumentation in Folge der Kriegsgeschehnissen verschwand – erklärt Dr. sc. Balen, ergänzend, dass die Forschungen in diesem Raum noch im 19. Jahrhundert begannen,  ein Teil der Funde befindet sich auch in Wien. Das Museum von Slawonien in Osijek  setzte in den  80-ger Jahren die Forschungen fort, geleitet von Jasna Šimić. All diese Tatsachen berücksichtigend – den zerstreuten Stoff und die mangelhafte Dokumentation, alte Forschungen u.ä. – ist  das alles schwer zu bewältigen, sagt Mitautorin Balen.

Da der Großteil des archäologischen  Stoffes  doch im Museum von Slawonien in Osijek  aufbewahrt  wird, ist der Beitrag der osijeker Mannschaft, diesmal angeführt von Dragana Rajković  Kuratorin der Archäologischen Abteilung, auch sehr bedeutend.

Die Kuratoren des Museumes von Slawonien in Osijek, besonders Dr. Danica Pinterović  und  Josip Boesendorfer, besuchten Schmidts Haus in der  Zagrebačka Straße  7, fanden dort Schachteln mit archäologischen Stoff  vor und brachten sie dann in das Museum. Teils gelang es uns, diesen Stoff, es geht meistens um Keramikbruchteile – ungefähr 6000 Gegenstände (eine der größten archäologischen Sammlungen des Museumes von Slawoenien in Osijek), zu  rekonstruiren. Der Stoff war nicht geordnet, nicht inventarisiert und die schöneren Stücke befinden sich in Zagreb – erklärt  Kuratorin Rajković.

Warum und wie  es  1948  zur (Auf)teilung des Stoffes zwischen dem osijeker (dem es gesetzmäßig gehören sollte) und des zagreber Museum kam ist unbekannt – behaupten die Autorinnen, doch berücksichtigend, dass Zagreb auch damals schon  Mittelpunkt war, ist es logisch, dass er die schönere Teile für seine Ausstellung haben wollte.

 Zur Zeit sind wir noch nicht bereit, diesen Fundort anzufassen, wir warten noch bis sich die Technologie noch ein wenig entwickelt. Schmidt eröffnete eine Sonde von 700 Quadratmeter, er erforschte bis zur Tiefe von ungefähr acht Meter. Es gibt ernsthafte Beanstandungen zu seinen  Forschungsmethoden, in  Gegesatz  zu Vučedol. Sarvaš wurde nicht so genau erforscht und ist eigentlich fast unberührt in Bezug auf die Gesammtfläche des Fundortes – schließt  Dragana Rajković.

Narcisa VEKIĆ (Glas Slavonije)

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Fotoausstellung “Chronologie der Neuvereinigung Deutschlands”, am  24. November 2014, Stadtbibliothek Osijek

In Zusammenarbeit mit der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland wurde die Fotoausstellung “Chronologie der Neuvereinigung Deutschlands“ veranstaltet,  in der auf  13 Fotos in großem Format Ereignisse vor, im Laufe und nach dem Mauerfall in Berlin dargestellt werden. Bei dieser Gelegenheit hielt der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland  Hans Peter Annen eine Ansprache in welcher er betonte, wie wichtig dieser historische Augeblick für Deutschland und alle seine Bürger, die bis zu diesen schicksalhaften  Tagen fast 70 Jahre getrennt waren, gewesen sei.  Der Ausstellung wohnten auch Vladimir Ham, Vizebügermeister von Osijek und  Željko Kraljičak, Vizegespan bei, die auch zu den Anwesenden sprachen. Die Ausstellung setzte ihre Weg weiter nach  Vukovar fort, wo sie im Hotel  “Lav” in Veranstaltung des Vereines der Deutschen und Österreicher Vukovar vorgestellt wurde.

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Uraufführung der Tanzvorstellung „14“, am 15. November 2014, HNK Osijek

Anläßlich des hundertsten Jahrestages des Anfanges des Ersten Weltkrieges  veranstaltete  die  Deutsch-französische Stiftung für Kultur in Zusammenarbeit mit dem  Goethe-Institut und dem Französischen Institut den Gastauftritt der Vorstellung   „14“  in Kroatien und Slowenien.

Die Tanzvorstellung „14“ entstand im Rahmen einer deutsch-französischen Kulturzusammenarbeit in einer gemeinsamen Produktion  der nahmhaften Koreographen und Tänzer Thomas Guggi und Didie Théron. Die Vorstellung  „14“ stellt auf eine besondere Weise die Problematik des Ersten Weltkrieges dar, sich visuell auf die Werke von Otto DixGeorge Grosz und  Thomas Rentmeister,  Zeigenossen des Großen Krieges, beziehend.

Nach zwei Aufführungen im heimischen Theater in Perpignan, fand die Uraufführung der Europatour dieses Tanzspektakels am 15. November im Kroatischen Volkstheater in Osijek statt. Die langjährige Zusammenarbeit und  das gemeinsame   Wirken der Deutschen Gemeinschaft und der Französischen Allianz  in Osijek wurden als Symbol der französisch-deutschen  Versöhnung und Zusammenarbeit erkannt und so wurde zur Uraufführung des Tanzspektakels  „14“  gerade  unsere Stadt erwählt. Außer unseren zwei Vereinen, der Französischen Allianz und der Deutschen Gemeinschaft, gesellte sich zur osijeker  Aufführung der Vorstellung auch das Kroatische Volkstheater, während das ganze Projekt der Gastierung in Kroatien unter der Schirmherrschaft des Kulturministeriumes gehalten wurde.

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Vlado Obad, Vorstellung des Buches „Njemačko novinstvo Osijeka u promicanju građanske kulture“/“Deutscher Journalismus von Osijek bei der Förderung der bürgerlichen Kultur

Freitag, den, 31.Oktober  2014.  , Muzej Slavonije Osijek

 

Im übervollen Saal des Muzej Slavonije fand die Vorstellung des Buches  „Njemačko novinstvo Osijeka u promicanju građanske kulture“/“Deutscher Journalismus von Osijek bei der Förderung der bürgerlichen Kultur des Autoren Vlado Obad statt. Über das Buch sprachen: Dinko Župan (Rezensent), Marina Vinaj (Muzej Slavonije), Vlado Obad (Autor) und Nikola Mak (Deutsche Gemeinschaft- Landsmannschaft der Donauschwaben in Kroatien).

Das Buch ist ein sehr wichtiger Beitrag zur Geschichte des Deutschtumes in Osijek und  Slawonien, mit Akzent auf die Förderung der bürgerlichen Kultur. Es gehört zur bedeutenden Reihe von Ausgaben der Deutschen Gesellschaft-Landsmannschaft der Donauschwaben in  Osijek.

Der Autor gab sich riesige Mühe bei der Forschung des deutschen Einflusses auf  den Alltag von  Osijek und mit diesem Buch zeigte er den vollen Reichtum des Zusammenlebens der Bewohner von Osijek (der Deutschen- Österreicher, Ungaren, Juden, Serben und anderer Angehörigen der nationalen Minderheiten).

 

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Dr. Vladimir Geiger ist der bedeutendste zeitgenössische Wissenschaftler in Kroatien, der sich, unter anderem, systematisch und seit Jahrzehnten, mit dem Thema des Leidensweges der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg in hiesigen Regionen beschäftigt und wurde, dank seiner wissenschaftlichen Arbeit und veröffentlichten Werken und Büchern zur unbestreitbarer Autorität in Fragen des Leidensweges der deutschen Minderheit.
Der Vortrag fand im Rahmen der Ausstellung „Oto Švajcer – Bilder und Worte“ statt, die in der osijeker Galerie der bildenden Künste seit Ende März 2014 in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gemeinschaft, mitfinanziert aus den Mitteln des Rates für nationale Minderheiten der Republik Kroatien eröffnet ist.

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In der Galerie der bildenden Künste Osijek, hatte der wissenschaftliche Berater des Kroatischen Institutes für Geschichte, Dr.sc Vladimir Geiger einen Vortrag anlässlich der Bilderausstellung von Oto Švajcer. Er machte seinerzeit während der Verfassung seines Buches über das Lager Valpovo ein Interwiew mit Oto Švajcer und notierte seine Erinnerungen an die im Lager verbrachte Tage. Es wurden auch Bilder gezeigt, welche Švajcer im Lager zeichnete und die Bestandteil der Ausstellung sind.
Vladimir Geiger trug auch Angaben über die Verstorbenen im Lager Valpovo, das größte in diesem Teil Kroatiens, vor, die Fotografien und Zeichnungen der Lagerinsassen nach der Ankunft im Lager und danach die Fotografien derselben Menschen nach Monaten der Gefangenschaft projizierend.
Laut Geiger gab es im ehemaligen Jugoslawien in der Nachkriegszeit ungefähr 70 Lager für deutsche Zivilbürger. In der Zeitspanne von 1945 bis 1948 wurden auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens ungefähr 175.000 Personen in Lager interniert, während mehr als 50.000 Personen namentlich aufgezählt wurden, die im Lager verstarben. Von dieser Anzahl der Verstorbenen sind ungefähr 28.000 Frauen und 6.000 Kinder unter 14 Jahren.
Im Dezember 1945 waren im Lager Valpovo, laut Angaben der damaligen Miliz, 3.805 Lagerinsassen, während im Lager Krndija ungefähr 3.500 internierte Personen waren.
Der Vortrag wurde in Organisation der Deutschen Gemeinschaft veranstaltet und einige überlebte Lagerinsassen waren bei dieser Veranstaltung anwesend, sprachen mit Herrn Geiger über jene schwere Tage, die sie im Valpovoer Lager verbrachten.

 

Ausstellung “Oto Švajcer-Wort und Bild”, Galerie der bildenden Künste , Osijek, 27.Februar 2014.

Am Donnerstag, den 27. Februar 2014 um 19 Uhr wurde in der Galerie der bildenden Künste in Osijek die Ausstellung “Oto Švajcer – Wörter und Bilder” eröffnet. Dazu wurde auch die Publikation zur Ausstellung “Oto Švajcer – zeitloses Werk / geistiges Erbe von Oto Švajcer “, die von der Kustodin der Galerie, Valentina Radoš geschrieben ist, vorgestellt.
Die Ausstellung präsentiert die Werken von Oto Švajcer (Otto Schweitzer) die er als Künstler gemalt hat, aber auch seine Krytiken und  Beilagen der Kunstgeschichte in Kroatien. Sein ganzes Leben war äußerst zurückhaltend und eine Demonstration oder Valorisierung seiner eigener Malkunst hat er nie eingegangen. Diese Ausstellung bietet zum ersten Mal, 11 Jahren nach seiner Tod, einen Blick in seiner visuellen Intimität an.

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Die für die Ausstellung ausgewählten Arbeiten können in zwei Gruppen unterteilt werden: erstens sind visuelle Notizen und Zeichnungen / Skizzen des Alltags und was es zu einem bestimmten Zeitpunkt fasziniert ist – Familienbilder, Figuren, Landschaften, Zeichnungen alter Meister, verschiedenen Zusammensetzungen; und die andere ist eine Gruppe von Werken geschaffen zwischen 1945. und -46.  während Švajcers Aufenthalt in  Arbeitslager in Valpovo. Die meisten Werke sind Eigentum Schweizer Tochter, Lydia Schweizer-Gerenčević. Nach dem Tod von Otto Schweizer, Erbe auf der permanenten Erhaltung der  Gallerie in 2005. 

VALENTINA RADOŠ über Oto Švajcer

ogViele unter uns werden bereitwillig davon zeugen, dass sie und wie sehr sie die Kunstgeschichte lieben. Wie  wir sie erforschen, beschreiben, katalogisieren, von ihr leben und unser Brot verdienen – und gleichfalls wie sehr wir sie genießen. Aber wenige unter uns können von sich sagen, die durchlebte Liebe zur Kunst sei ein Teil seiner Seele und des Geistes, ihr sei alles unterordnet.

Solche Menschen sind selten, einer von ihnen war Oto Švajcer (Osijek, 18. Juni 1907 – Zagreb, 25. Mai 2003). In dem Jahr wo wir große und wichtige Jubiläen der Galerie der bildenden Künsten, Osijek feiern – sechs Jahrzehnte seit der Gründung und fünfzig Jahre an der jetzigen Adresse, Europska avenija 9 – drängt sich in der Chronik unserer Institution ein Name als unumgänglich auf. Oto Švajcer, der selbstverleugnende gute Geist unserer Kunstgeschichte und der Institution, er beschrieb sich selbst zuerst als einen Essayisten, danach als Kritiker, Forscher, Schriftsteller,… aber nie als Künstler.

Greifbare Ergebnisse seiner Selbstbeschreibung befinden sich in großer Anzahl auf unseren Bücherregalen, in unseren Archiven, in unseren Bibliotheken und, vielleicht am meisten, in unserem Bewusstsein und Erkenntnissen bezüglich des Kulturerbens aus unserem Gebiete. Andererseits hatten wir selten die Gelegenheit, an den Museum- und Galeriewänden seine malerischen Werke zu besichtigen und genießen. Diese Ausstellung wurde eben zu Ehren dieser, ein wenig unbekannten, und hinter dem uns wohlbekannten Intellektuellen seht gut verborgenen Person und Künstlers  aufgestellt. In mehr als fünfhundert bibliographischer Einheiten und mehr als sieben Jahrzehnte seiner Tätigkeit bearbeitete Oto Švajcer die Kunstgeschichte von Osijek, Kroatien und weiter, berührte und erforschte oft Gebiete, Namen und Tatsachen, die bis zu jener Zeit entweder unbekannt oder vergessen waren. Sein Leben und Tätigkeit binden ihn besonders an unsere Galerie, deren Fundus er als erster Forscher und Chronist sorgfältig erforschte und vorstellte, uns, seinen Erben, einen beneidenswerten Vorteil der Perspektive und Übersicht  überlassend. Švajcers Bibliographie und intellektuelle Hinterlassenschaft wurde bis jetzt mehrmals veröffentlicht und ist uns wohlbekannt.

Doch die in dieser Ausstellung vorgestellte Werke von Švajcer, eine Art von Tagebuchverzeichnungen des Autors, waren sehr selten zu sehen. Außer der 1999 in der osijeker Galerie der bildenden Künste veranstalteten Ausstellung ist Švajcers malerische Tätigkeit  ziemlich unbekannt und wenig bewertet. Diese Tatsache ist mehr mit seiner persönlichen Stellungnahme und der wohlbekannten Selbstverleugnung verbunden, als dass sie eine Folge der objektiven Mangelhaftigkeit seines künstlerischen Ausdruckes wäre. Zu Lebenszeiten bekannt dafür, dass er ungern seine malerischen Arbeiten zeigte, sich und seine Begabung für ungenügend haltend im Vergleich zu den „richtigen“ Künstlern, hielt  er seine Arbeiten mehr für einen Versuch Essenz und Genesis des künstlerischen Schaffens zu erfassen. In dieser Ausstellung, ihrem Umfang nach klein aber der Bedeutung nach groß, haben wir also Gelegenheit, in den unbekannten, durch seine Werke gefilterten und wiederspiegelten, Privatraum von Oto Švajcer Anblick zu gewinnen. Die meisten wurden aus dem Familienerbe der Tochter Lidija Švajcer-Gerenčević und ihres Ehemannes Dragutin Gerenčević geliehen.

oeHier sind ebenfalls die einzigen drei Bilder, Öl auf Leinwand, die als ein Teil des Geschenkes der Galerie 2005, nach dem Tode von Oto Švajcer, samt seiner geschriebenen Hinterlassenschaft/Archiv und Bibliothek, ebenfalls aus dem Besitze der Tochter, in den Fundus eingingen. Eine kleinere Anzahl der Werke ist ein Geschenk aus dem Besitze des akademischen Malers und des ehemaligen Leiter der Galerie Vladimir Džanko. Die zur Ausstellung auserwählten Werke können in zwei Gruppen geteilt werden: die erste sind die malerischen Notizen und Skizzen/Kurzgeschichten aus dem Alltag und jenem, was ihn gerade im Moment reizte – Bildnisse der Familie, Figuren, Landschaften und Aussichten, nach alten Meistern kopierte Skizzen, verschiedenen Kompositionen, die zweite Gruppe besteht aus den 1945 und 1946 entstandenen Werken, als Švajcer im Arbeitslager in Valpovo weilte.

Zu Lebzeiten als eine zurückgezogene Person bekannt, die ungern über sich sprach, wissen wir von Oto Švajcer, dass er im Sommer 1907 in Osijek, als mittleres Kind von fünf geboren wurde, in der Familie mit dem Vater, der in seinem Malergewerbe mit schwerer und unregelmäßiger körperlichen Arbeit seine Frau und Kinder ernährte. Von den Kindern, drei Brüder und zwei Schwestern, zeigte nur der junge Oto Interesse an der Kunst und zwar schon in den frühesten Schuljahren.

Aus Familiengeschichten wissen wir, dass er das erste Bild – die Mutter Gottes – als Junge an die Wand von Vaters Werkstatt malte, mit Farben, die sein Vater in seinem Gewerbe benutzte. Die Malkunst war nicht der einzige kreative Ausdruck von dem der Junge angezogen wurde. Später betonte er im Laufe seines Lebens seine große Liebe zur Literatur, besonders zu der Dichtung, welche ihn, außer der Malkunst, seit seinem zartesten Alter begleitete. Besonders betonte er die expressionistischen Strömungen, so in der Malkunst wie auch in der Literatur, als Ausdrücke, die seinem Geiste am nächsten standen. Obwohl er als Jüngling den Wunsch und die Absicht hatte, sich professionell der Kunstwissenschaft zu widmen, oder sogar versuchen, die Kunstakademie zu besuchen,  gestattete ihm die wirtschaftliche Lage seiner Familie das nicht.

Er immatrikulierte das zweijährige Studium der Pharmazie, das er aus denselben wirtschaftlichen Gründen nicht beendete. Statt sein Studium fortzusetzen, begann er zu arbeiten, zuerst in der Lederfabrik von Osijek und später, während des Weltkrieges, in der osijeker Fabrik Saponia. Im Jahr 1930 heiratet er Matilda, Tilda, Gruis. Die Familie vergrößerte sich bald durch die Geburt der ersten Tochter Dorothea, die ebenfalls nach Familiengeschichte, mit dem Vater sehr verbunden und ihm auch sehr ähnlich war. Schon als Kind zeigte sie Interesse am Zeichnen und kreativen Ausdruck, was  sie sicherlich noch mehr mit dem Vater verband. Doch das Mädchen stirbt 1937 an Diphtherie, was tiefe Traumata bei den Eltern, besonders bei dem Vater, hinterließ. Schon im kommenden Jahr 1938 kam die zweite Tochter, Lidija,  zur Welt, welche  die einzige Tochter der Švajcers blieb.

ohDer Tod des Kindes blieb, leider, nicht das einzige Unglück, das die junge Familie traf. In den folgenden Jahren wütet der Weltkrieg in Europa. Švajcer sah zwar als Arbeiter der Fabrik Saponia und wegen seiner schwachen Gesundheit nichts vom Kriege – bis zum Frieden, als er wegen seiner Angehörigkeit der deutschen Minderheit in Osijek, zusammen mit Frau und Tochter, in das Arbeitslager von Valpovo interniert wurde, wo er bis Frühling 1946 blieb. Diese heikle Zeit, von der Švajcer  öffentlich nie sprach, ist eigentlich auch die Zeit in der seine richtige Lebensleidenschaft und -berufung klare Umrisse bekamen. In der Zeit der Schrecken des Überlebenskampfes im Lager wurde und blieb nämlich die Kunst für Švajcer ein richtiges Ventil zum emotionalen Ausdruck, aber auch zur Rettung. Die Zeichnungen aus den Lagertagen, die jetzt vor uns stehen, haben die Kraft einer ungewöhnlichen Expression in der Darstellung der menschlichen Würde, auch wenn das nackte Überleben gefährdet ist. In scheinbar alltäglichen und einfachen Motiven der Familie und Lagerinsassen gelingt es Švajcer, uns mit präzisem Blick und einigen Strichen die bittere Erfahrung des Leidens zu vermitteln – ein mit der Hand bedecktes Gesicht, ein gebeugter Rücken, ein in Schmerz gesenkter Blick, ein ausgedorrter Baum wie ein Kreuz zu Ostern…

Nach dem Kriege wird das Leben wieder geregelt. Švajcer arbeitet als Kommerzialdirektor in der Osijeker Eisengießerei und Maschinenfabrik OLT und seine Berufung zum Kunsthistoriker wird gleichzeitig immer ausgeprägter. Seit den frühen Fünfzigern veröffentlicht er regelmäßig Kunstkritiken in der Tagespresse, vor allem in Glas Slavonije, zu seiner alltäglichen Arbeit im OLT. Gemäß der Aussage seiner Tochter Lidija führt er mit seiner Familien ein ruhiges, fast voraussehbares Leben, das von denselben, alltäglichen Arbeitsgewohnheiten geprägt war: die Arbeit – das Zuhause – zeichnen, lesen, schreiben. Außer den Ausstellungen waren  Kino und Theater die seltenen Orte, die er besuchte. Aus OLT geht er 1969 in Rente und, nach Wunsch seiner Frau Matilda, ziehen die Švajcers nach Zagreb, wo schon ihre Tochter Lidija lebt. Durch Umzug und Rentenstand beginnt für Oto Švajcer eigentlich  die fruchtbarste Schöpfungszeit seines Lebens.

Er arbeitet als Außenmitarbeiter des Institutes für Kunstgeschichte in Zagreb und  das Lexikographische Institut und sein Wirkungskreis erweitert sich natürlich – genauso wie sein Werk – von der Kunstkritik und Chronik bis zu den wissenschaftlichen Forschungen und Verfassungen von Monographien. Seine Arbeitsgewohnheiten bleiben dieselben: früh aufstehen, spazieren gehen und zeichnen (wohin immer er ging, war sein Skizzenblock immer zu Hand), der Gang zur National- und Universitätsbibliothek waren ein unausbleiblicher Teil jedes seines Arbeitstages. Die Verbundenheit mit der Galerie der bildenden Künste, seit der Gründung dieser Institution anwesend in Švajcers Leben, blieb  intakt und verstärkte sich mit den Jahren. Unermüdlich setzte er die Erforschung der Malkunst von Osijek und Slawonien fort, sie in ungefähr zehn, dem Fundus der Galerie der bildenden Künsten gewidmeten, monographischen Titeln vorstellend.

odWerke, die wir in dieser Ausstellung sehen können, sind natürlich von ihrem Autoren geprägt und durch sie lauschen wir seinen, zu Lebzeiten nicht ausgesprochenen, Worten, die uns leise die Lebensgeschichte eines Menschen erzählen. Unsere Absicht ist nicht, die Grammatik dieser Geschichte zu bewerten, uns interessiert was sie uns zu sagen hat – jedem einzelnen von uns. So wohlwollend er war und immer bereit, jedem Künstler einen aufrichtigen Blick zu schenken und ihn zu ermutigen, so unerbittlich kritisch war er zu seinem eigenen Schaffen. Von jeher war er fasziniert von den formellen Elementen des Kunstwerkes selbst – jeder Farbfleck, Bleistiftpunkt, Pinselstrich waren für ihn  von akutem Interesse und wurden zum Forschungsgegenstand – mit ihrer Hilfe versuchte er, die Geheimnisse der Kunst zu erkennen. Sein ganzes Leben lang waren für Oto Švajcer Schreiben sowie auch Malen und Zeichnen grundlegende und alltägliche Kommunikationsmittel, genauer ein Antriebsbedürfnis. In seinem Wesen eine stille und zurückgezogene Person vertieft sich Švajcer durch seine Worte in das Wesen des Kunstwerkes selbst, dazu gelingt es ihm, dem Leser sein eigenes, kraftvolles und tief emotionales Erlebnis des künstlerischen Geistes  zu vermitteln. Seine Malkunstwerke, obwohl mit der Absicht gemacht, „nur“ Versuche und Proben zu sein, sprechen dieselbe Sprache und in demselben Geiste. An uns liegt jetzt, aufmerksam zuzuhören.

 

BOGDAN MESINGER über OTO ŠVAJCER

 ottoMan sagt: Ist es nicht aufgeschrieben –war es auch nicht vorhanden!

 Den Historikern schulden wir unsere Erinnerungen. Deshalb gedenken wir – mit Dankbarkeit – ihrer Namen und ihrer Werke. Wir sind unsere eigene Geschichte – je mehr wir sie ehren desto mehr ist es so. Die Historiker sind Hüter und größtenteils auch Schöpfer unserer geistigen Kultur.

 Die Geschichte unserer Stadt kann sich mit einem der Urheber seiner Kulturgeschichte rühmen, doch – verwunderlich –  sein Name ist doch den meisten seiner Mitbürger fast unbekannt. Diese verwirrende Tatsache spricht auch einiges über uns, spricht aber viel mehr über die seltene Bescheidenheit dieses Historikers des Geistes und der Kultur unserer Stadt, für den eben die Kultur ein wichtiges Merkmal bedeutet.

 Sein Name ist Oto Švajcer.

 Er war Kunstkritiker, Kunstchronist, Forscher… Er begann sehr früh damit – schon als Zwanzigjähriger – und er bestand darauf, trotz dramatischen Schicksalsschlägen im Leben, bis in seine späten neunziger Jahre. In dieser langen Zeitspanne schuf und hinterließ er uns als Erbe nicht nur sein Werk sondern auch eine, nicht weniger umfangreiche, Dokumentation fast enzyklopädischen Charakters. Kurzgefasst – er bemühte sich, die Kulturgeschichte seiner Stadt vor dem Vergessen zu bewahren. Dem widmete er sein Leben.

 Sein ganzes Leben unterordnete er bewusst einer ausnehmend anspruchsvollen und dazu noch grausam einsamen Mission. Doch er erlebte so ein Leben nicht als Opfer sondern als Standhaftigkeit in der Liebe. Sein Leben war ein Ausdruck seines Charakters und seine Willensstärke wurde von der Liebe zur Kunst angetrieben. Er arbeitete systematisch, mit seltener Scharfsinnigkeit und asketischer Selbstaufopferung, jahrzehntelang…

Wie solche Arbeit fruchtbar wird, zeigt uns nicht nur das hinterlassene Autorenwerk sondern auch der Widerhall, welcher sich wellengleich um ihm verbreitete. Dessen vollkommen unbewusst, wurde er zum heimlichen Vorbild der jüngeren Essayisten und Auslegern des künstlerischen Lebens der Stadt.  Ihm und den Künstlern, über die er schrieb, verdankt die Stadt, dass sie sich aus einer Provinzkleinstadt zu einem bedeutenden Zentrum der europäischen Kultur erhob. Mit ihrer eigentümlichen Kultur entwuchs sie ihrem schicksalhaften Fluch ihres Provinzialismus.

 Ich spreche hier aus eigener Erfahrung darüber. Auch für mich war Oto Švajcer, nämlich, Vorbild bei meinen essayistischen Anfängen. Vieleicht nicht so sehr im Stil (der Stil ist immer persönlich und unwiederholbar), wie in dem systematischen, verantwortlichen sowie verborgenen Blick auf das Gesellschaftsleben, in welchem die Kultur ein unsichtbarer, aber entscheidender, Kreislauf ist.

Švajcer begriff, dass die Geschichte mit einem, auf den ersten Blick, unwichtigen Ereignis beginnen kann, wie auch die längste Reise (chinesisches Sprichwort) mit dem ersten Schritt beginnt. Wenn er, z.B. einen scheinbar simplen journalistischen Rückblick schrieb, fühlte er ihn auch als einen kleinen Akt des öffentlichen Wortes, an die riesige Tafel der unsichtbaren geschichtlichen Chronik aufgeschrieben. Er schrieb, die geschichtliche Verantwortung seines Wortes fühlend.

 Deshalb ist sein Werk heute eine Geschichtschronik – aber auch eine geschichtliche Schatzkammer – unserer urbanen Selbsterkenntnis. Und vielleicht ist das sein tiefster, obwohl verborgener, Wert.

Sein ganzes Leben (heute sind wir uns dessen vollkommen bewusst) formte er so, dass er eine Arbeit schafft, insofern das einem einzelnen Menschen körperlich überhaupt möglich ist (und was er schaffte ist, würde ich sagen: eine Heldentat!) für die eine ganze Forschungsmannschaft, sogar eine Institution  notwendig wäre!

 Heute entdeckt seine Hinterlassenschaft eine verblüffende Tatsache: Oto Švajcer war, wahrhaftig, eine lebende, zwar verborgene, Enzyklopädie der Kunstgeschichte der Stadt Osijek. Er war nicht nur Ausleger der osijeker Kultur (ohne diese Interpretation wäre diese Kultur im Halbdunkel des Vergessens verschwunden). Als Chronist war er ihr guter Geist der Unvergesslichkeit. Ihr unsichtbarer Behüter.

 Wenige Städte besitzen in der Schatzkammer ihrer Geschichte eine solche Person.

 Heute, da wir in seine Hinterlassenschaft eintauchen und, ein wenig überrumpelt, begreifen, einem bis jetzt vergrabenen Schatz der osijeker Kulturgeschichte gegenüberzustehen, den Švajcer sammelte, einordnete und größtenteils auch schuf, könnte uns leicht unterlaufen, noch einen verborgenen Wert zu übersehen. Die Zeit in welcher Švajcer schrieb war, nämlich, das pure Gegenteil zur heutigen.

 Zu seiner Zeit war der Schriftsteller (und so auch der Kulturrezensent) ein unsichtbarer Mensch.

 Ich erinnere mich noch gut an meine erste Begegnung mit ihm. Ich kam nach Osijek (ich weiß nicht mehr zu welchem Anlass) und mit einer kleinen Gruppe meiner Bekannten aus dem osijeker Kulturkreis sprach ich in den Untergrundräumen der Osijeker Kleinen Szene des einstigen  „Arbeiterheimes“. Und dann wurde mir ein stiller, unauffälliger Herr aus deren Gesellschaft vorgestellt.

Das war  Oto Švajcer. Er war still, so still wie die Weisheit ist.

 So begann unsere dauerhafte Freundschaft. Bis zu dieser Zeit war Švajcer für mich nur ein Wort, ein Name. Fast körperlos.

 Auf jene „fernsehlose“ Zeit zurückblickend begreife ich, dass wir damals, die heutige Zeit der unmittelbaren Bilder betrachtend, noch in einer Zeit der unsichtbaren Menschen  lebten. Der Mensch war, wenn er eigentlich als gesellschaftlich aktives Wesen vorhanden war, meistens unsichtbar.

 Heute hilft mir diese persönliche Erfahrung der unerwarteten Begegnungen mit Menschen, deren Wort immer dem lebenden Bild vorherging, zu begreifen, was die lebhafte und kontinuierliche künstlerischer Essayistik von Oto Švajcer den damaligen osijeker Künstlern bedeutete.

 Seine Kunstrezensionen waren für sie das Tor zur Geschichte. Der von ihm erwähnte und charakterisierte Künstler begann damit historisch zu bestehen.

 Dem heutigen Zuschauer und sogar Künstler fällt es schwer, diese unsichtbare Mission eines einheimischen Kunstrichters zu verstehen und sogar zu erkennen.

 Doch sie war sehr wichtig. Gäbe es sie nicht, würde es uns heute auch nicht geben. Es würde uns als geistige, schaffende Kraft nicht geben.

 Wenn wir heute Oto Švajcer als einen fast unsichtbaren Chronist und Richter der osijeker bildenden Kunst entdecken, der ganz allein eine geordnete Enzyklopädie des Entstehens und des Lebens des osijeker Kunstkreises – ganz unterschiedlich von den anderen – schuf und hinterließ, dürften wir nicht vergessen, dass es außer seinem sichtbaren Werk noch eine andere, verborgene, Form seines geschichtlichen Wirkens gab.

 Dessen war sich, höchstwahrscheinlich, nicht einmal er selbst bewusst. Er war zu bescheiden, um sich in diesem Lichte zu sehen. Doch sein Wort war eine fruchtbare Anregung.

Das ist jenes Licht, das seine Quelle immer überlebt. Und es leuchtet uns heute noch.

 

 

REPRÄSENTATIVE AUSSTELLUNG IN DER  OSIJEKER GALERIE DER BILDENDEN KÜNSTE

DIE WERKE VON RUDOLF GERHART BUNK WURDEN DEN OSIJEKERN VORGESTELLT

Bunk war als Künstler geformt als er nach Split kam, und zwar in einer Umwelt die an der Spitze der damaligen Kunstszene stand. Er war im Geiste und unter dem Einfluss des deutschen Expressionismus geformt, in der Zeit als die deutsche Kunst einen bedeutenden Beitrag zur avantgarden Kunst des 20. Jahrhunderts leistete

 In Zusammenarbeit mit der Galerie der bildenden Künste  aus Osijek und der Glyptothek  HAZU (Kroatische Wissenschafts- und Kunstakademie) aus Zagreb, stellte die Deutsche Gemeinschaft – Landsmannschaft der Donauschwaben in KroatienOsijek die Werke des deutschen Künstlers Rudolf Gerhart Bunk vor. Die Ausstellung  “Aquarelle” in Osijek  wurde am  9. Mai 2013 eröffnet und konnte bis zum  20. Mai in der Galerie der bildenden Künste besichtigt werden.  Die Ausstellung kam nach Osijek,  nachdem sie im November  2012 im Rahmen des  20. Wissenschaftlichen Symposiums  “Deutsche und Österreicher im kroatischen Kulturkreis” auch in der zagreber Glyptothek  HAZU eröffnet wurde.

Bunk ist ein typischer Vertreter des deutschen Expressionismus, der volle 20 Jahren in Kroatien lebte und wirkte, die ausgestellten Werke sind Bestandteil der Sammlung der Zeichnungen kroatischer Künstler des 20. Jahrhunderts aus dem Fundus der Glyptothek HAZU.  Die Ausstellung wurde von der Autorin der Ausstellung, Lida Roje Depolo, eröffnet, die sagte  sein ganzes Werk wäre von dem Heimweh nach Kroatien gezeichnet. Bei der Ausstellungseröffnung wurden die Gäste von  Leonilda Conti, Leiterin der osijeker Galerie der bildenden Künste und Zorislav Schönberger, dem Präsidenten der Deutschen Gemeinschaft in Osijek, begrüßt.

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Im Vorwort des Kataloges schreibt Lida Roje Depolo: “In der Sammlung der Zeichnungen der kroatischen Künstler des  20. Jahrhundertes fand ich sieben bzw. neun Aquarelle die  mit den Initialen  RGB signiert waren.  Sie unterschieden sich von den anderen Werken aus der Sammlung und wichen von der üblichen Produktion der kroatischen Moderne ab. Als wären sie unter dem Einfluss einer anderen Schule und Kultur entstanden. Nach kurzem Forschen stellte ich fest, dass die Initiale dem deutschen Maler Rudolf  Gerhart Bunk gehören, der  1938 nach Kroatien  kam und ganze zwanzig Jahre blieb.”

Viel  seltener kommen fremde Künstler nach Kroatien und werden hier sesshaft, als unsere Künstler ins Ausland gehen, meistens zum Lernen. Der deutsche Künstler  Rudolf G. Bunk ist gerade so ein Fall; er wurde in Split sesshaft und fügte sich in sein Kulturleben ein, eine erfolgreiche Karriere eines Malers und Szenografen schaffend. Mit seiner ungewöhnlichen Erscheinung und polyvalenter Bildung bereicherte er die kroatische Kulturumwelt. Er brachte den Geist des deutschen Expressionismus mit,  zu dessen Korpus er gehörte. Am Anfang seiner Künstlerlaufbahn war Bunk aus politischen Gründen gezwungen, seine Heimat zu verlassen. Er nahm 1934 an der Ausstellung „Darmstädter Sezession“ in Frankfurt  teil, die von der Nazi-Regierung für bolschewistisch und unsittlich erklärt wurde. Die ausgestellten  Werke wurden als degenerierte Kunst abgestempelt und die Ausstellung wurde  abrupt geschlossen. Die Künstler kamen auf die schwarze Liste  und in Deutschland wurden  ihnen weitere Ausstellungen verweigert. Bunk wurde sein Atelier, das er ein Jahr vorher in Frankfurt bekam, weggenommen. Es folgt ein schweres Leben im Exil; von 1934 bis 1938 lebte er in der Schweiz, in Schweden und Österreich und nirgendwo gelang es ihm, für sich  und seine Familie eine  Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Überall stößt er auf Probleme und flieht weiter. Durch die Fügung der Umstände kommt er 1938 nach Kroatien und bleibt die kommenden zwanzig Jahre hier.

Bunks Grund, nach Kroatien zu kommen war die Bestellung seines Gönners. Nämlich, der Industrielle und Sammler Karl Albin Bohaczek aus Halle an der  Saale bestellte von  Bunk eine Reihe von Portraits bekannter deutscher Philosophen und Schriftsteller. Bunk malte sie von 1933 bis 1938. Ihre Portraits sind uns nach erhaltenen Fotografien aus dem Archiv des Künstlers (im Besitze seiner Tochter) bekannt, während die Originale verloren gingen. Auf  dieses Thema kommen wir später zurück, weil unser Aquarell die Skizze zu einem der verlorenen Portraits aus dieser Reihe ist. Der namhafte deutsche Philosoph  Rudolf Pannwitz lebte jahrelang zurückgezogen auf  Koločep  neben Dubrovnik. Die Fertigung des Porträts von Rudolf Pannwitz war der Grund von Bunks Reise nach Kroatien. Mit Frau und Sohn, auf der Suche nach  Lebensmöglichkeiten,  kommt er nach Dalmatien, wo er, ohne es zu ahnen, die kreativsten Jahre seines Lebens  erleben wird.

Rudolf Bunk diplomierte  Malerei an der Akademie für angewandte Kunst in Berlin in der  Klasse von  Professor Karl Hofer, des bekannten expressionistischen Malers. Hofers Malerei, eine interessante Synthese von Cézanne, des deutschen Expressionismus und  Picassos frühen Phasen, beeinflusste  den jungen Künstler entscheidend. Bunk synthetisiert in seinen Werken selbst Eigenschaften des deutschen Expressionismus, des französischen Kubismus, Picassos frühe Phasen, sowie der Malerei der objektiven Wirklichkeit, sowie der deutschen mittelalterlichen Tradition. Auch die Malerei von  Max Beckmann hatte starken Einfluss auf den jungen Bunk. Auch Beckmann lebte im Exil in  Amsterdam, weil er von der Nazi-Regierung vertrieben wurde. Sein Stil und Methode des  Bildkomponierens hatten  ihre Wurzeln in dem Imaginären der mittelalterlichen Glasmalerei. Beckmann malt  geometrisierte Flächen mit scharfen Rändern, die er mit schwarzen Linien umrahmt. Auch Bunk nahm einen ähnlichen Graphismus des Bildes, mit schwarzer Umrandung betont, an. Bunk war als Künstler geformt als er nach Split kam, und zwar in einer Umwelt die an der Spitze der damaligen Kunstszene stand. Er war im Geiste und unter dem Einfluss des deutschen Expressionismus geformt, in der Zeit als die deutsche Kunst einen bedeutenden Beitrag zur avantgarden Kunst des 20. Jahrhunderts leistete.”

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Der Lebensweg von  Rudolf Gerhart Bunk war sehr interessant aber auch schwer. 1908 wurde er in einer bürgerlichen Familie in Berlin geboren. 1926 immatrikuliert er Malerei an der Akademie der angewandten und bildenden Kunst in  Berlin. Gleichzeitig studiert er Germanistik und Geschichte an der Philosophischen Hochschule, besucht die Akademie der angewandten Künste, Abteilung Szenographen. 1933–34 geht er nach  Frankfurt am  Main,  wo er ein Atelier bekommt. Er nimmt an der Ausstellung ‘Darmstädter Sezession’ teil, so wurde ihm sein Atelier durch Beschluss der Nazi-Regierung weggenommen. 1934–1937 emigriert er in die Schweiz, danach nach Schweden. 1938, nach kurzer Rückkehr in die Heimat, emigriert er mit Frau und Sohn auf die Insel  Koločep neben Dubrovnik. 1939 siedelt er mit seiner Familie nach Split um. 1940 veranstaltet er die erste selbständige Ausstellung im Salon Galić in Split. 1941 wurde die ganze Familie auf Forderung der deutschen  Gesandtschaft nach Lipik konfiniert.  Bei einem Unfall verliert er seinen Sohn Stefan. Zwischen 1941–42 lebt er in  Trogir unter italienischer Besatzung. Seine Tochter Bojana wurde geboren. 1944 flieht er mit dem Fluchtzug nach El Shatt.  Mit seiner Familie lebt er im Flüchtlingslager in der Wüste von Sinai. Aktiv nimmt er teil am Kulturleben;  organisierte Ausstellungen des Fluchtzuges in Alexandrien, Kairo und  Suez.

Er macht zahlreichen Plakaten, Anschlagplatten, bemalt Krankenhauswände. 1945 nimmt er, auf Einladung  des Intendanten Tomislav Tanhofer, den Einsatz zum Szenographen des Kroatischen Volkstheaters in Split an. Zwischen 1945 und  1958  realisierte er mehr als 120 Szenographien für Theaterdramen, Opern  und Balletts. Er versuchte  es auch als Regisseur in mehreren Vorstellungen sowie als Kostümbildner. Sein Sohn Stefan wurde geboren. 1955 –selbständige Ausstellung in  Split (er stellte 63 Zeichnungen zum Thema Frauenakt aus). 1954 nimmt er am  Salon 54 in Rijeka teil – an der ersten selektiven und Problemausstellung der Nachkriegszeit. 1958 verlässt er Split und zieht mit seiner Familie nach Hamburg, weil mit Westdeutschland diplomatische Beziehungen unterbrochen wurden. Doch er unterbricht die Zusammenarbeit mit dem spliter Kroatischen Volkstheater nicht, für das er bis 1972 ungefähr zehn Szenographien realisiert. 1960–61 hatte er zwei selbständige Ausstellungen in Hamburg, stellt meistens  Veduten von  Hamburg aus. 1969 selbständige Ausstellung in der Kunstgalerie in Split mit dem  Thema ‘Erinnerung an  Dalmatien’ (stellte  26 Temperas auf  Papier aus). 1972 stellt er im Museum der Stadt  Split 26 Temperas der Stadtveduten aus.  1974 stirbt er in seinem Atelier in  Hamburg bei der Arbeit an  der Vorbereitung der Kollageausstellung in Hamburg. 2003 – das Kroatische Volkstheater  Split erteilt seit 2003 jedes zweite Jahr den  „Preis  Rudolf Bunk“ für die beste Kostümographie, Szenographie und Design. Der Preis trägt den Namen des geschätzten deutschen Malers und Szenographen Rudolf Bunk, des langjährigen Szenographen des Kroatischen Volkstheaters in Split.

 

 

OLIVER BOTTINIS ROMAN “IM AUFTRAG  DER VÄTER” VORGESTELLT

 Der Verlag  “Fraktura”  aus Zagreb  und die Deutsche Gemeinschaft veranstalteten am  26. Februar 2013 in der  Buchhandlung  “Nova” in Osijek die Vorstellung der kroatischen Ausgabe des Romanes  “Im Auftrag der Väter”, in kroatischer  Übersetzung “Po nalogu očeva”, des deutschen Kriminalromanautoren Oliver Bottini. Die Freundschaft mit  Oliver Bottini  stammt  noch  aus dem Jahr 2007, als er in Osijek verweilte und  eben für diesen Roman Material sammelte.

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Oliver Bottini ist einer der erfolgreichsten deutschen Kriminalromanautoren, er verweilte im Frühjahr  2007 in Ostkroatien und Nordbosnien, wo er die tragischen Lebensgeschichten der Donau- und Russlanddeutschen, die während  und nach dem Zweiten Weltkrieg in Lagern gesperrt wurden, erforschte. Sein dritter Roman, welcher das Drama der Familien Niemann und Lončar verfolgt, beginnt in Freiburg, und endet in Slawonien. Vor der Vorstellung des Romans in Osijek wurde der Roman auch bei der traditionellen Literaturtribüne “Razotkrivanja/Enthüllungen” in Zagreb vorgesTellt, welche von dem Besitzer des Verlages “Fraktura” Seid Serdarević  moderiert wurde. Die Buchvorstellung in  Osijek moderierte ebenfalls S. Serdarević mit der Dolmetscherhilfe von  Renate Trischler aus der Deutschen Gemeinschaft.

 

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