BUCHVORSTELLUNG, GESPRÄCH UND VORTRAG ÜBER DAS „VERSCHWINDEN“ DER DEUTSCHEN MINDERHEITEN

 

Im Foyer des Kroatischen Volkstheaters in Osijek fand am 29. November 2016, in Zusammenarbeit mit der Stiftung  „Zentralmuseum der Donauschwaben aus  Ulm“,  die Vorstellung des Buches „Verschwinden der deutschen Minderheiten“ statt. Dieses Thema behandelten im Buch 17 Wissenschaftler aus fünf verschiedenen Länder. Vor vollem Zuschauerraum stellten die anwesenden Sprecher dieses Buch mit schwerer Thematik vor und das Vorstandsmitglied der Deutschen Gemeinschaft, Nikola Mak, erinnerte sich an die Lagertage.

Historische Tatsache ist, dass schon zu Ende des Jahres 1944 auf dem Gebiet nördlich von der Donau und der Drau die Vertreibung der Deutschen beginnt. Es werden Lager eingerichtet und Deportationen zur Zwangsarbeit in der UDSSR. Bis  1948 wurden in  Jugoslawien ungefähr 70 Lager eingerichtet. In Kroatien begann die Vertreibung der Deutschen bald nach dem Kriegsende. Es wurden Sammellager eingerichtet, von denen die bekanntesten sind: Valpovo, Krndija, Đakovo,Josipovac bei Osijek, Tenja und andere. Einige Züge mit Deutschen kamen nach Österreich und diese Deutschen wurden von den englischen Besatzungskräften in Empfangslagern untergebracht. Nach einigen Transporten unterbrachen sie den Empfang der vertriebene Deutschen und diese wurden nach  Jugoslawien zurückgeschickt oder überquerten die Grenze gar nicht. Das bedeutete die Rückkehr in das Lager.  Außer dem Lager in Velika Pisanica, das vor allem ein Lager für Kriegsgefangene war und auch als Transitlager für Deutsche diente, gab es auch noch Arbeitslager. Die Deutschen wurden in die Arbeitslager Valpovo und Krndija zurückgebracht. In Krndija waren die Deutschen aus Südslawonien interniert (Sl. Brod, Đakovo, Vinkovci), in Valpovo aus dem nördlichenTeil (Osijek, Valpovo, Vukovar, Slatina). Das waren keine Lager für Kriegsgefangene, sondern ausschließlich für Zivilisten. So waren in den Lagern Kinder, Frauen und alte Männer. Männer gab es wenig und das waren in der Regel wehrdienstunfähige Menschen. Die Deutschen waren, trotz eingebürgertem Glauben, in keiner bedeutenden Anzahl  Anhänger des Nazismus, aber auch nicht des Kommunismus. 

Diese Thematik behandelten auch die Sprecher der Versammlung:

 Dr. Andreas Kossert (Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, Berlin (Verleger)
Christian Glass (Stiftung „Zentralmuseum der Donauschwaben“, Ulm (Verleger)
Nikola Mak (Mitglied des Vorstandes der Deutschen Gemeinschaft (Zeitzeuge, Osijek)
Renata Trischler (Geschäftsleiterin der Deutschen Gemeinschaft, Osijek (Moderatorin)

Besonderer Vortrag:
Dr. Vladimir Geiger
Kroatisches Institut für Geschichte, Zagreb
„Kroatische Deutschen zwischen 1944 und  1955“

Wir danken den Mitgliedern der Deutschen Gemeinschaft und allen Anwesenden, besonders Herrn Christian Glass und Frau Lenny Perenčević aus der Stiftung  „Zentralmuseum der Donauschwaben“,  sowie Herrn Dr. Andreas Kossert aus der Stiftung  „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, die die Veröffentlichung dieses vorzüglichen Buches ermöglichten. Gleichzeitig danken wir  Dr. Vladimir Geiger, der in langjähriger Arbeit an der Thematik der Donauschwaben in unserem Raum kompromisslos die Wahrheit über den Völkermord an den Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg aufklärte und mit seinem Vortrag auch bei dieser Versammlung historische Tatsachen klärte, die jahrelang verborgen wurden.